Netzaufbau und Technik

Bundes- und bayernweiter Netzaufbau für den Digitalfunk

Viele Großstädte und einige Länder nutzen bereits den Digitalfunk – wenn auch manche derzeit noch im Probebetrieb. Die neue digitale Funktechnik wird parallel zur herkömmlichen veralteten analogen Technik eingesetzt. Das ist möglich, weil der Aufbau des BOS-Digitalfunknetzes mit seinen rund 4.300 geplanten Funkstandorten zeitlich gestaffelt in 45 Netzabschnitten erfolgt. So kann in einigen Regionen der Digitalfunk schon genutzt werden, während die Funkinfrastruktur an anderer Stelle gerade noch errichtet wird.

Die Gesamtplanung und -koordination des bundesweiten Digitalfunknetzes obliegt der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) mit Sitz in Berlin. Der Freistaat Bayern hat die Aufgabe, geeignete Standorte für Basisstationen zu suchen und den Aufbau vorzubereiten.

Netzaufbau Bayern

© Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, Projektgruppe DigiNet

 

In den Netzabschnitten München, Mittelfranken, Oberbayern-Nord, Unterfranken und Schwaben Nord steht der digitale Einsatzfunk allen Blaulichtorganisationen zur Verfügung und wird von den Polizeipräsidien im Einsatzalltag genutzt. Auch bei den nichtpolizeilichen BOS von Feuerwehr und Rettungsdienst gewinnt der Einsatz digitaler Endgeräte mehr und mehr an Bedeutung.

Der Netzabschnitt Oberpfalz sowie das Funknetz im Oberland (G7-Gebiet) befinden sich im erweiterten Probebetrieb; in Oberfranken, Niederbayern, Oberbayern-Süd und Schwaben-Süd laufen in regionalen Projektgruppen auf Ebene der Polizeipräsidien bzw. der Rettungsdienst-(ILS-)Bereiche die Planungen und Vorbereitungen zur Umstellung auf den Digitalfunk.

Die beiden letzten Netzabschnitte Oberbayern Süd und Schwaben Süd gehen im Oktober bzw. im Dezember 2015 an den Start.

Mit der Nutzung des Digitalfunks für alle BOS in Bayern wird ab dem Jahr 2016 gerechnet.

Standortgewinnung

Digitale BOS-Sendeanlage auf einem Gebäude

© Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, Projektgruppe DigiNet

 

Mit der Standortgewinnung wurde in Bayern nach einem europaweiten Vergabeverfahren die telent GmbH als erfahrenes Unternehmen aus dem Mobilfunkbereich beauftragt. telent und ihr Partnerunternehmen Abel Mobilfunk GmbH sind unter anderem bevollmächtigt, die von der Immobilien Freistaat Bayern (IMBY) entwickelten und zur Verfügung gestellten Standortsicherungsverträge abzuschließen.

Bei der Auswahl der Standorte werden die betroffenen Kommunen und die örtlichen Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungs-/Hilfsorganisationen beteiligt, um deren Versorgungsanforderungen in den einzelnen Suchkreisen zu berücksichtigen. Generell versuchen wir bei der Standortgewinnung bereits bestehende Antennenstandorte etwa von Polizei, Feuerwehr oder Landesbehörden sowie bestehende Funkmasten von Rundfunk- oder Mobilfunkbetreibern mit zu nutzen.

Zum Teil müssen aber auch neue Standorte errichtet werden. Denn dort, wo Einsatz- oder Unfallschwerpunkte sind, muss zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger die beste Funkversorgung gewährleistet sein. Dies kann dazu führen, dass beispielsweise in der Nähe von Wohnsiedlungen Digitalfunk-Standorte eingerichtet werden müssen. Gleichzeitig müssen für Polizei und Rettungskräfte Gebiete versorgt werden, die für die kommerziellen Mobilfunkbetreiber uninteressant sind, wie beispielsweise Straßen als Unfallschwerpunkte von Auto- und Motorradfahrern, alpine Regionen für die Berg- und Höhenrettung sowie Flüsse und Seen. Damit werden teilweise auch Standorte an touristisch attraktiven Orten notwendig.

Bewertungskriterien Standortauswahl

Stahlbetonmast mit digitaler Sendeanlage für den BOS-Digitalfunk

© Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, Projektgruppe DigiNet

 

Wichtige Bewertungskriterien für die Auswahl von Standorten sind neben den einsatztaktischen Anforderungen die Topographie (Anhöhen, Täler, Berggipfel, Gipfelnähe, Hanglage), Bewuchs- und Bebauungsdichte und –höhe sowie Realisierbarkeit des Standortes (Zugangswege, Untergrund, Strom- und Netzanbindung, baulicher Aufwand, Wartung und Service).

Generell muss jeder Digitalfunkstandort die einsatztaktischen Anforderungen der Blaulichtorganisationen erfüllen.

Funkversorgung für den Digitalfunk in Bayern

In einem Flächenland wie Bayern – mit Bergen, Schluchten und großen Waldgebieten – ist eine hundertprozentige Versorgung nicht zu realisieren, so dass die Digitalfunkversorgung auf mindestens 96 Prozent der Gesamtfläche Bayerns ausgelegt ist.

Im Übrigen ist die direkte Verbindung von Funkgerät zu Funkgerät ohne Netzanbindung – wie beim Wechselverkehr im Zwei-Meter-Analogfunk – jederzeit auch im Digitalfunk möglich und wird als „DMO“- Betrieb (Direct Mode Operation, Direktbetrieb) bezeichnet. Spezieller Funkgeräte bedarf es hierzu nicht; jedes Digitalfunkgerät kann sowohl über das Digitalfunknetz als auch im DMO betrieben werden.

Gebäude oder Anlagen, in denen die Funkversorgung aus Sicherheitsgründen besonders wichtig ist, sollen wie bisher im Analogfunk auch mit einer eigenen Objektfunkversorgung ausgestattet werden. Dies wird jedoch nur da notwendig, wo das Digitalfunknetz nicht ausreichend tief in die Objekte wie etwa Tiefgaragen oder Betonbauten hineinreicht.

Anforderungskriterien

Bund und Länder haben den eigenen einsatztaktischen Bedarf an Funkversorgungsqualität festgelegt und Funkversorgungskategorien bestimmt. Diese Kategorien orientieren sich insbesondere an der Bevölkerungsdichte und dem erhöhten Funkversorgungsbedarf besonderer Objekte wie etwa Flughäfen oder Autobahnen.

Der Freistaat Bayern hat für den BOS-Digitalfunk in Bayern Funkversorgungsanforderungen festgelegt, die über dem Standard des Bundes liegen (siehe Darstellung „Mindestfunkversorgung BOS-Digitalfunk“ im Downloadbereich).

Schutz des Digitalfunknetzes

Das BOS-Digitalfunk-Netz ist ein Sicherheitsnetz zum Schutz unserer Bürger und unserer Einsatzkräfte, das jederzeit zuverlässig und störungsfrei funktionieren muss. Daher sind die bundesweit geltenden Sicherheitsauflagen sehr streng und umfassend.

Bayern hat trotzdem so viel Transparenz wie möglich für seine Bürger und Kommunen geschaffen und die strengen Vorgaben gelockert, soweit es möglich war.

Offenheit und Transparenz

Die Kommunen können Standorte im Gemeindegebiet öffentlich behandeln und bekannt geben.

In der Praxis bedeutet dies:

  • Landkreisweite oder Kommunen übergreifende zusammenhängende Übersichten von Standortdaten (z.B. Flurnummer, Adressen u.ä.) dürfen grundsätzlich nicht öffentlich bekannt gegeben werden. Lediglich die sog. Suchkreise können bekannt gegeben werden.
  • Die aktuelle Standortplanung im Landkreis ist dem jeweiligen Landratsamt bekannt und kann den zugehörigen Bürgermeistern z.B. im Rahmen einer Bürgermeisterdienstbesprechung umfassend bekannt gegeben werden. Dabei können auch Details besprochen werden.
  • Den Städten, Märkten und Gemeinden, in deren Bereich ein BOS-Digitalfunkstandort erforderlich ist, können die jeweiligen Standortinformationen wie Anzahl, die konkreten und ggf. die Alternativstandorte öffentlich bekannt gegeben werden.
  • In den einzelnen Kommunen dürfen die Standorte des jeweiligen Gemeindegebietes ebenfalls öffentlich behandelt und bekannt gemacht werden.
  • Durch Nachbargemeinden können auch Standorte an Gemeindegrenzen veröffentlicht werden.

Systemtechnik TETRA für den Digitalfunk

Das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) hat TETRA (Terrestrial Trunked Radio) Mitte der 1990er Jahre als einen digitalen Bündelfunkstandard entwickelt. „Terrestrial“ bedeutet auf die Erde bezogen, „Trunked“ so viel wie „netzgestützt“, „Radio“ steht für „Funkgerät“. TETRA ist also ein auf der Erdoberfläche errichtetes Funknetz.

Seitdem wird der Standard kontinuierlich fortentwickelt. Mittlerweile sind mehrere tausend TETRA-Systeme in über 100 Staaten weltweit im Einsatz. Hierzu zählen sowohl Netze von Sicherheitsorganisationen wie Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei, aber auch die Versorgung von Verkehrsflughäfen, Energieversorgungsunternehmen bis hin zu großen Verkehrsbetrieben.

TETRA-Systeme werden überall dort eingesetzt, wo die Kommunikation höchsten Sicherheitsansprüchen genügen muss und zudem komplexe betriebliche Anforderungen abgebildet werden müssen. Die Eignung im praktischen Einsatz ist bereits vielfach auch unter zum Teil extremen Bedingungen nachgewiesen.

Technische Eckdaten zu TETRA sowie einen Vergleich des BOS-Digitalfunks mit anderen Funktechniken finden Sie im Downloadbereich.

 

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